Nach 7 Staffeln und 154 Episoden ist am Sonntag in den USA eine der intelligentesten, bestgeschriebenen, ach was, die beste Drama-TV-Serie der jüngeren Vergangenheit zu Ende gegangen -
The West Wing. Ich habe diese Serie entdeckt, als sie in ihrer dritten Staffel lief und habe damals die erste DVD-Box in drei Tagen verschlungen, habe sie seitdem eifrig verfolgt und etliche Freunde zu ihr geführt.
Aaron Sorkin hatte da etwas Großartiges geschaffen, eine Serie die sich mit dem normalen Leben von Menschen befasst, die von normalem Leben so entfernt sind, wie es kaum weiter geht - dem Stab einer fiktiven Regierung der USA unter der Führung des demokratischen Präsidenten Josiah Bartlet, wunderbar dargestellt von
Martin Sheen. Dennoch ist es Sorkin und den anderen Autoren nicht nur gelungen, diese Charaktere mit unverwechselbaren schnellen und intelligenten Dialogen zu versehen, sondern auch Figuren zu schaffen, die sich neben ihrer Arbeit durch ihre menschlichen Züge definieren. Als Sorkin und sein Regisseur
Thomas Schlamme sich am Ende der vierten Staffel aus der Serie verabschiedeten, war dies ein Schock, doch sein Nachfolger
John Wells traf den Ton der Serie - nach einem leichten Durchhänger in der ersten Hälfte der fünften Staffel - sehr gut, und es gelang ihm sogar in der sechsten und siebten Staffel, mit dem roten Faden der anstehenden Wahl des Bartlet-Nachfolgers und des dazugehörigen Wahlkampfes, der einen großen Teil der beiden letzen Staffel ausmacht, die Serie zu neuen Höhen zu führen.
Es ist sehr schade, dass
The West Wing gerade jetzt zu Ende gegangen ist, aber das Ende dieser Staffel, das Ende der Bartlet-Regierung ist das natürliche Ende der Serie. So schön es auch gewesen wäre, zu sehen wie sich der neue Präsident in seinem Amt schlägt, so offenbar ist es auch, dass dieser abschließender Höhepunkt das perfekte Ende der Serie darstellt, beinahe so, als wäre es von Beginn an so geplant. Auch der traurige und überraschende Tod von
John Spencer, der eine tragende Rolle in der Serie spielte, trug sicher dazu bei. Sein Ausscheiden wurde von Wells wunderbar und sehr emotional in die Serie eingearbeitet.
“Tomorrow” - so der Name der letzten Episode - zeigt den letzten Tag von Präsident Bartlet und seinen Mitarbeitern und die Einschwörung und den Amtsbeginn seines Nachfolgers und bringt einen würdigen Abschluss für all die Charaktere die uns Zuschauern im Laufe der Staffeln doch ans Herz gewachsen sind. Wir sehen wie sie ihre Jahre im Weißen Haus hinter sich bringen, und wie sie ihre Zukunft angehen. Als sich Präsident Bartlet nach der Einschwörung von seinem Nachfolger mit den Worten “Make me proud, Mr. President.” verabschiedet, standen mir Tränen in den Augen, und ebenso in der Szene in der Bartlet seine letzte Amtshandlung durchführt, und wieder in der letzten Szene, und nicht nur, weil es ein Abschied war. Seit “Sleeping in Light”, dem für mein Dafürhalten wohl auf ewig unschlagbaren Serienfinale von
Babylon 5, hat mich wohl keine Serienfolge so gerührt wie “Tomorrow”. Leben Sie wohl, Präsident Bartlet, lebt wohl, Josh, C.J., Toby, Donna, Charlie, Will, Sam, ja auch Leo, und all ihr anderen, die im Laufe der Jahre dazugekommen sind. Ich werde euch vermissen.